Der Einsatz von Lasern beim Fügen von Glas und Metall
ermöglicht eine automatisierte Fertigung mit höherer
Prozessstabilität. Herausragende Ergebnisse vor allem bei
hitzeempfindlichen Floatgläsern.
Kombinationen von Glas mit Metall finden weite Verbreitung z.B. bei
Glühlampen, Solarkollektoren oder Röntgenröhren. Das
Fügen dieser stofflich so unterschiedlichen Bestandteile ist in
der Glasverarbeitung häufig noch Handarbeit. Dadurch unterliegt
der Prozess Schwankungen in Qualität und Quantität. Zudem
droht der Verlust von Prozesskenntnissen beim Ausscheiden von
Mitarbeitern mit langjährig erworbenen Erfahrungen.
Dieser Problematik hatte sich das AiF-Projekt GLAME unter der Leitung
des Laser Zentrums Hannover gewidmet. Dabei wurde ein laserbasiertes
Verfahren entwickelt, das das Fügen von Metall und Glas ohne
Zusatzwerkstoffe sowohl mit erhöhter Prozessstabilität als
auch effizienter gestaltet. Der jüngst veröffentlichte
Abschlussbericht zeigt die Vorteile durch den Einsatz verschiedener
Laser in den Bereichen Flachglas und Rohrglas gegenüber dem bisher
üblichen Gasbrenner.
Gezielter Energieeintrag per Laser
Aufgrund der direkten Korrelation der Temperatur mit der
Viskosität des Glases, sind die Kontrolle und Beherrschung der
Temperatur Hauptthemen im Fügeprozess. Hier zeigen Laser
gegenüber dem herkömmlichen Gasbrenner Vorteile, da sie einen
gezielten und gut steuerbaren Energieeintrag ermöglichen.
Insbesondere CO2- Laserstrahlquellen eignen sich aufgrund ihrer
emittierten Wellenlänge von 10,6 ?m für eine effiziente
thermische Bearbeitung des Werkstoffs Glas.
Dabei bestimmen das Ausgangsmaterial und die gewünschte Geometrie
den Lasertyp. So z.B. wurde ein CO2-Slab-Laser mit einer
Ausgangsleistung von 300W und einem bauartbedingt kleinen Laserkopf
eingesetzt, wenn ungünstige lange Strahlwege vermieden werden
sollten. Ist Applikationsbedingt ein größerer Energiebedarf
gefragt ist, hat sich ein gleichstromangeregter, axial
schnellgeströmter CO2-Laser (3 KW) als zweckmäßig
erwiesen. Zur Erwärmung des Metalls können auch Laser im
nahinfraroten Bereich eingesetzt werden. Dabei wird das Metall durch
das Glas hindurch, unter Nutzung der starken Transmission von Glas bei
1030nm, bestrahlt, die Energie direkt in die angestrebte Fügezone
ohne Zeitverzug durch Wärmeleitung eingetragen. Die Strahlung wird
z. B. durch einem Scheibenlaser (Yb:YAG) bereitgestellt. Sein Vorteil
ist die nahezu homogene Flächenerwärmung, der sehr schnellen
Leistungsanstieg sowie eine gute Leistungsstabilität. Diese
Methode kommt bei der Verbindung von Floatglas und Metall zum Einsatz.
Hier konnte eine hochqualitative Glas-Metall-Verbindung unter
industrienahen Bedingungen realisiert werden.
Bei der Fertigung rotationssymmetrischer Verbindungen am Beispiel von
Solarreceiverkappen mittels CO2-Laserstrahlung konnte eine erhebliche
Zeitersparnis von bis zu 50% gegenüber der Fertigung mit
Gasbrennern erreicht werden. Im Vergleich zur Flamme war der Eintrag
von Kondenswasser in die Fügezone ausgeschlossen.
Glasspezialisten überrascht vom Ergebnis
Dieter Wagner, Mitglied der Geschäftsleitung des Glasbearbeiters
EuropTec GmbH, stand dem Projekt im begleitenden Ausschuss mit Rat und
Tat zur Seite. Auf seine Anregung hin waren im Verlauf des Projektes
die Untersuchungen auch auf den Bereich Floatglas ausgedehnt worden.
„Glas liefert eigentlich denkbar schlechte Voraussetzungen
für eine Verbindung mit Metall. Insbesondere Floatglas, vielfach
als Fensterglas verwendet, ist ein extrem schwieriger Werkstoff, da es
sehr hitzeempfindlich ist. Ich bin von diesem sehr guten Ergebnis
wirklich beeindruckt!“
Denn für die kostengünstigen Floatgläser konnten
wesentliche Verbesserungen bei der flexiblen und präzisen
Gestaltung der Verbindungsnaht erreicht werden: Der Laser
ermöglicht hier Punktkombinationen bis zu Linien, ähnlich
Schweißverbindungen mit Vorschüben bis zu v=300
mm•min-1. Somit werden vielfältigste Geometrien und
Applikation für zukünftige Bauteile und Produkte denkbar.
Kombiniert mit einer Bilderkennung und Online-Positionierungen erlaubt
das neue Verfahren eine vollautomatische Fertigung von
Glas-Metallverbindungen mit beachtlicher Festigkeit. Dies gilt
insbesondere für Bauteile, die eine lokal begrenzte
Temperaturbelastung und hohe Formstabilität erfordern.
Dieter Wagner ist überzeugt, dass die Technologie interessante
Chancen am Markt bietet. Mit dem Laserverfahren wird eine grundlegend
neue Technologie zur Verfügung gestellt, die auch ganz innovative
Produkte ermöglicht. Eine aktuelle industrielle Nutzung bietet
sich z.B. im Bereich Solarthermischer Kraftwerke oder für
vakuumtaugliche Flachglasverbünde an.
Seit einigen Jahren arbeitet das Goslarer Unternehmen EuropTec nun
schon mit dem Laser Zentrum Hannover in verschiedenen Projekten sehr
erfolgreich zusammen. Intensiviert wurde diese Verbindung durch die
gemeinsame Partnerschaft im PhotonicNet, dem niedersächsischen
Kompetenznetz Optische Technologien. Für die Zeit nach GLAME hat
man bereits neue Projekte gestartet. Eines wird sich zum Beispiel mit
der Verbesserung des Gesamtprozesses beim Bohren von Flachgläsern
befassen.
GLAME wurde unterstützt durch die AiF Mitgliedsvereinigung
Forschungsgemeinschaft Technik und Glas e.V. Bronnbach. Weitere
Projektpartner: Schott Duran, MGlas AG, Europtec AG, Bohle AG,
Glasbläserei Paris, Flabeg GmbH, Dt. Glastechnische Gesellschaft
(DGG& HVG).