"Um dich begreiflich zu machen, musst du zum Auge sprechen."
Johann Gottfried HerderVisualisieren ist keine Erfindung unserer Zeit. Schon immer haben
Menschen versucht, ihre Ideen mit Hilfe von Bildern so zu
„verpacken“, dass die Zuhörer sich auch wirklich
angesprochen fühlten. Jede Religion hat Symbole gewählt, die
die zugrunde liegende Weltsicht für andere über die Sprache
hinaus sichtbar macht. Visualisieren sollten deshalb alle, die im Sinne
Herders zum Auge sprechen wollen. Alle, die in Vorträgen und
Präsentationen informieren, erläutern, überzeugen und
die eigenen guten Ideen auch von der Zielgruppe schnell und einfach
verstanden haben wollen, verwenden nicht nur Worte, sondern auch
Bilder. Bilder wecken die Aufmerksamkeit rascher und fesseln
stärker als Geschriebenes und Gesprochenes. Und schließlich
bleiben durch Bilder vermittelte Ideen besser im Gedächtnis
haften, weil die Informationen gehirngerecht verarbeitet werden
können.
Ein Bild macht’s einfacher. Ein Begriff wird durch Visualisieren
„augenfällig“. Eine Information zu visualisieren
bedeutet, sie so aufzubereiten, dass sie die Sprache unterstützt.
Probleme, Ideen und Aufgaben werden in Bilder umgewandelt; Phantasie
und Wissen gleichzeitig genutzt. Visualisieren reduziert also die
Komplexität von Informationen. Beim Visualisieren von
Präsentationen geht es darum, Inhalte und Botschaften kompakt,
präzise und deutlich weiterzugeben. Komplizierte
Zusammenhänge lassen sich durch ein Bild auf den Punkt bringen.
Ideen, Probleme, Gefühle und natürlich Zahlen können in
Bilder umgesetzt werden.
Jede Präsentation, in der es um Statistiken oder um Bilanzen geht,
um Geld oder um Bevölkerungszahlen, wartet mit den ausgefeiltesten
Diagrammen auf. Nur leider bringen gerade solche Diagramme die
wichtigste Aussage nicht auf den Punkt, weil das Diagramm zu viele
Detailinformationen enthält. Manche missverstehen Visualisieren
auch als Aufforderung „irgendwie“ Bilder in die
Präsentation einzubringen, nach dem Motto: „Da war doch noch
was mit der Gehirnhälfte, die Bilder mag, also rein mit einem
Bild“. Effektives Visualisieren setzt Schwerpunkte und ist nicht
bloß Ornament.
1. Ein Bild sagt mehr als 1.000 WorteWeshalb bleiben uns Bilder so gut im Gedächtnis? Was passiert in
unserem Kopf, wenn wir Informationen aufnehmen, lernen oder uns
erinnern wollen? Das Gehirn ordnet alles, was es an
Sinneseindrücken und damit an Informationen aufnimmt, in ein
System ein und bildet Kategorien. Dass fällt ihm leichter, wenn
die Informationen inhaltlich oder wenigstens formal
zusammenhängen. Eine Präsentation, die diese Arbeitsweise des
Gehirns berücksichtigt, bewirkt mehr als eine, die das nicht tut.
Bilder machen Meetings überdies effizienter, wie Forscher der
Universität Minnesota herausfanden. Sie verkürzen die
durchschnittliche Dauer um mehr als ein Viertel von 26,7 Minuten auf
18,6 Minu-ten.
Visualisieren zwingt zur Präzisierung. Das gilt vor allem für
Sie, weil Sie die Kernaussagen einer Botschaft herausarbeiten
müssen, um sie in Bilder fassen zu können. Das gilt aber auch
für Ihr Publikum: Diesem bleibt gar nichts anderes übrig, als
sein Interesse auf Ihr Thema zu lenken, wenn Sie dieses Thema
konsequent vi-sualisieren. Bilder ersparen langatmige Erklärungen,
weil sie sofort Erinnerungen und Gefühle wachrufen –
vorausgesetzt, der Betrachter erkennt, worum es sich handelt und kann
mit dem Abgebildeten etwas verbinden. Und sie unterstützen die
Erinne-rung: Wenn das flüchtige Wort längst verklungen ist,
bleibt die Idee als Bild im Kopf.
2. Vorbereitung einer wirkungsvollen PräsentationNicht selten wird das Publikum bei Präsentationen mit
Informationen regelrecht überflutet. Wer mit dem Bewusstsein aus
einer solchen Veranstaltung geht, das eine oder andere begriffen oder
gar etwas dazugelernt hat, darf sich glücklich preisen. Wer
weniger behalten hat, obwohl die Information wichtig war und der Redner
ein kluger Kopf, kann sicher sein, dass daran nicht das schwierige
Thema oder die eigene Begriffsstutzigkeit schuld sind, sondern die
Vermittlung.
Fühlen Sie sich als Referent bitte verpflichtet, für Ihr
Publikum das Zuhören, Zusehen und Verstehen einfach und
interessant zu machen. Die wichtigste Grundlage einer gelungenen
Präsentation ist die KISS-Formel: „Keep It Short and
Simple“.
3. Aufbau der Präsentation
Eines ist sicher, je besser Sie Ihre Präsentation strukturieren,
desto effektiver können Sie auch visualisieren. Damit ist aber
nicht etwa ein Ausschmücken von Bildern und Grafiken gemeint.
Visualisieren bedeutet Probleme, Ideen und herausfordernde Aufgaben,
die durch die Aufbaustruktur in sich schlüssig sind, bildhaft
darzustellen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Informationen zu
strukturieren und damit eine gute Vorlage für die Visualisierung
zu liefern. Zum Beispiel chronologisch vom Überblick zum Detail
oder vom Bekannten zum Unbekannten. Besonders das Vier-W Modell ist
äußerst effizient beim Aufbau einer Präsentation.
Aufgrund der Erkenntnis, dass jeder Mensch sein Gehirn nach bestimmten
„Lieblingsmustern“ benutzt, jeder seine eigene Art und
Weise hat, Inhalte zu strukturieren, zu lernen und sich zu motivieren,
haben Lern-Psychologen eine Anleitung für alle entwickelt, die
Inhalte für andere gut aufbereiten wollen. Das Vier-W Modell gibt
Antwort auf die grundsätzlichen Fragen: „Was?“,
„Warum?“, „Wie?“ und „Wozu?“.
Warum?
- Sagen Sie, was Ihnen das Thema bedeutet.
- Sagen Sie, wer Sie sind, was Sie kompetent macht und wa-rum gerade Sie hier präsentieren.
- Zeigen Sie die allgemeine Bedeutung des Themas.
- Stellen Sie geschichtliche Bezüge her, betten Sie das Thema in einen historischen Kontext.
- Beziehen Sie die Erfahrungen der Teilnehmer ein.
Was?
- Sagen Sie Ihrem Publikum, welches Ziel Sie mit der Präsenta-tion verfolgen.
- Geben Sie Definitionen. Nennen Sie Zahlen, Daten und Fak-ten.
- Zeigen und erklären Sie Statistiken und wählen Sie passende Grafiken und Schaubilder.
- Zitieren Sie Experten und erwähnen Sie Literaturhinweise.
Wie?
- Geben Sie Beispiele.
- Illustrieren Sie das Thema durch eine Geschichte.
- Fordern
Sie zum Handeln auf und erklären Sie „Wie genau soll
gehandelt werden“, „Wie gehe ich vor“.
- Erstellen Sie bei einer Moderation gemeinsam mit den Teil-nehmern eine Aktivitäten-Checkliste oder eine To-do-Liste.
Wozu?
- Zeigen Sie den Sinn des Themas auf und welchen
persönlichen Nutzen die Teilnehmer haben. Arbeiten Sie Werte
heraus, das, was für Ihre Zielgruppe wünschens- und
erstrebenswert ist.
- Zeigen Sie, was sich für die Zuhörenden ändern wird, wenn das Thema bearbeitet ist.
- Fordern Sie die Teilnehmer auf, Anwendungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Am einfachsten gelingt die Strukturierung mit einem Mind Map. Sie
schreiben in die Mitte das Thema und zeichnen von der Mitte aus
für jedes Wort einen Ast.
Nehmen Sie nun den Papierstapel an Informationen und ordnen Sie die
Inhalte in Stichworten dem jeweiligen Ast zu. Sie sehen sehr schnell,
ob ein Ast zu wenig „abbekommen“ hat. Ein sicheres Zeichen
für eine langweilige Präsentation ist es, wenn der
„Was“-Ast übervoll ist.
4. Roter Faden und ÜberblickEs gibt viele Möglichkeiten, ein Publikum zu frustrieren. Es gibt
aber ebenso viele Möglichkeiten, eine Präsentation - mit
denselben Inhalten - zu einem spannenden Erlebnis zu machen. Was
erwartet der Zuschauer von einer Präsentation? Er möchte in
möglichst kurzer Zeit möglichst viel Neues erfahren, und zwar
so, dass er sich dabei nicht langweilt. Im Normalfall können Sie
davon ausgehen, dass Ihr Publikum guten Willens ist. Sie dürfen
aber nicht erwarten, dass es Ihnen zuliebe über sich selbst
hin-aus wächst. Es ist zutiefst menschlich, Assoziationen und
Gedankenbrücken zu bilden und eben nicht konzentriert jedem Satz
Ihrer Präsentation zu folgen. Wenn jemand geistig abdriftet,
bedeutet das nicht unbedingt Desinteresse. Während Sie die
Umsatzzahlen erläutern, geht einem der Kollegen vielleicht die
letzte Mathenote des Sohnes durch den Kopf. Während Sie das Foto
des neuen Personalleiters einblenden, denkt eine andere Zuhörerin
an das Gespräch mit der letzten Personalleiterin zurück. Ihre
Aufgabe ist es, Ihr Publikum gedanklich immer wieder zum Thema
zurückzuführen. Das geht umso leichter, je sorgfältiger
Sie die Präsentation vorbereitet haben.
Es gibt eine einfache, wirkungsvolle Methode, den roten Faden sichtbar
zu machen: Visualisieren Sie, mit Farben, Symbolen und grafischen
Hilfsmitteln. Oder mit einer Kombination aus alledem - aber unbedingt
in Maßen. Wenn vor lauter Farben und Symbolen keiner mehr
weiß, worauf Sie hinaus wollen, dann verschwindet alles in den
visualisierten Details. Für den roten Faden ist auch wichtig:
Verwenden Sie im Vortrag genau die Formulie-rungen, die auch auf den
Flipcharts oder an der Pinnwand stehen, jede Abweichung irritiert.