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PRAXIS
Präsentationen
Die 8 goldenen Regeln bei Präsentationen

"Um dich begreiflich zu machen, musst du zum Auge sprechen."
Johann Gottfried Herder


Visualisieren ist keine Erfindung unserer Zeit. Schon immer haben Menschen versucht, ihre Ideen mit Hilfe von Bildern so zu „verpacken“, dass die Zuhörer sich auch wirklich angesprochen fühlten. Jede Religion hat Symbole gewählt, die die zugrunde liegende Weltsicht für andere über die Sprache hinaus sichtbar macht. Visualisieren sollten deshalb alle, die im Sinne Herders zum Auge sprechen wollen. Alle, die in Vorträgen und Präsentationen informieren, erläutern, überzeugen und die eigenen guten Ideen auch von der Zielgruppe schnell und einfach verstanden haben wollen, verwenden nicht nur Worte, sondern auch Bilder. Bilder wecken die Aufmerksamkeit rascher und fesseln stärker als Geschriebenes und Gesprochenes. Und schließlich bleiben durch Bilder vermittelte Ideen besser im Gedächtnis haften, weil die Informationen gehirngerecht verarbeitet werden können.

Ein Bild macht’s einfacher. Ein Begriff wird durch Visualisieren „augenfällig“. Eine Information zu visualisieren bedeutet, sie so aufzubereiten, dass sie die Sprache unterstützt. Probleme, Ideen und Aufgaben werden in Bilder umgewandelt; Phantasie und Wissen gleichzeitig genutzt. Visualisieren reduziert also die Komplexität von Informationen. Beim Visualisieren von Präsentationen geht es darum, Inhalte und Botschaften kompakt, präzise und deutlich weiterzugeben. Komplizierte Zusammenhänge lassen sich durch ein Bild auf den Punkt bringen. Ideen, Probleme, Gefühle und natürlich Zahlen können in Bilder umgesetzt werden.

Jede Präsentation, in der es um Statistiken oder um Bilanzen geht, um Geld oder um Bevölkerungszahlen, wartet mit den ausgefeiltesten Diagrammen auf. Nur leider bringen gerade solche Diagramme die wichtigste Aussage nicht auf den Punkt, weil das Diagramm zu viele Detailinformationen enthält. Manche missverstehen Visualisieren auch als Aufforderung „irgendwie“ Bilder in die Präsentation einzubringen, nach dem Motto: „Da war doch noch was mit der Gehirnhälfte, die Bilder mag, also rein mit einem Bild“. Effektives Visualisieren setzt Schwerpunkte und ist nicht bloß Ornament.

1. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte
Weshalb bleiben uns Bilder so gut im Gedächtnis? Was passiert in unserem Kopf, wenn wir Informationen aufnehmen, lernen oder uns erinnern wollen? Das Gehirn ordnet alles, was es an Sinneseindrücken und damit an Informationen aufnimmt, in ein System ein und bildet Kategorien. Dass fällt ihm leichter, wenn die Informationen inhaltlich oder wenigstens formal zusammenhängen. Eine Präsentation, die diese Arbeitsweise des Gehirns berücksichtigt, bewirkt mehr als eine, die das nicht tut. Bilder machen Meetings überdies effizienter, wie Forscher der Universität Minnesota herausfanden. Sie verkürzen die durchschnittliche Dauer um mehr als ein Viertel von 26,7 Minuten auf 18,6 Minu-ten.

Visualisieren zwingt zur Präzisierung. Das gilt vor allem für Sie, weil Sie die Kernaussagen einer Botschaft herausarbeiten müssen, um sie in Bilder fassen zu können. Das gilt aber auch für Ihr Publikum: Diesem bleibt gar nichts anderes übrig, als sein Interesse auf Ihr Thema zu lenken, wenn Sie dieses Thema konsequent vi-sualisieren. Bilder ersparen langatmige Erklärungen, weil sie sofort Erinnerungen und Gefühle wachrufen – vorausgesetzt, der Betrachter erkennt, worum es sich handelt und kann mit dem Abgebildeten etwas verbinden. Und sie unterstützen die Erinne-rung: Wenn das flüchtige Wort längst verklungen ist, bleibt die Idee als Bild im Kopf.

2. Vorbereitung einer wirkungsvollen Präsentation
Nicht selten wird das Publikum bei Präsentationen mit Informationen regelrecht überflutet. Wer mit dem Bewusstsein aus einer solchen Veranstaltung geht, das eine oder andere begriffen oder gar etwas dazugelernt hat, darf sich glücklich preisen. Wer weniger behalten hat, obwohl die Information wichtig war und der Redner ein kluger Kopf, kann sicher sein, dass daran nicht das schwierige Thema oder die eigene Begriffsstutzigkeit schuld sind, sondern die Vermittlung.

Fühlen Sie sich als Referent bitte verpflichtet, für Ihr Publikum das Zuhören, Zusehen und Verstehen einfach und interessant zu machen. Die wichtigste Grundlage einer gelungenen Präsentation ist die KISS-Formel: „Keep It Short and Simple“.

3. Aufbau der Präsentation
Eines ist sicher, je besser Sie Ihre Präsentation strukturieren, desto effektiver können Sie auch visualisieren. Damit ist aber nicht etwa ein Ausschmücken von Bildern und Grafiken gemeint. Visualisieren bedeutet Probleme, Ideen und herausfordernde Aufgaben, die durch die Aufbaustruktur in sich schlüssig sind, bildhaft darzustellen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Informationen zu strukturieren und damit eine gute Vorlage für die Visualisierung zu liefern. Zum Beispiel chronologisch vom Überblick zum Detail oder vom Bekannten zum Unbekannten. Besonders das Vier-W Modell ist äußerst effizient beim Aufbau einer Präsentation. Aufgrund der Erkenntnis, dass jeder Mensch sein Gehirn nach bestimmten „Lieblingsmustern“ benutzt, jeder seine eigene Art und Weise hat, Inhalte zu strukturieren, zu lernen und sich zu motivieren, haben Lern-Psychologen eine Anleitung für alle entwickelt, die Inhalte für andere gut aufbereiten wollen. Das Vier-W Modell gibt Antwort auf die grundsätzlichen Fragen: „Was?“, „Warum?“, „Wie?“ und „Wozu?“.

Warum?
  •   Sagen Sie, was Ihnen das Thema bedeutet.
  •   Sagen Sie, wer Sie sind, was Sie kompetent macht und wa-rum gerade Sie hier präsentieren.
  •   Zeigen Sie die allgemeine Bedeutung des Themas.
  •   Stellen Sie geschichtliche Bezüge her, betten Sie das Thema in einen historischen Kontext.
  •   Beziehen Sie die Erfahrungen der Teilnehmer ein.
Was?
  •   Sagen Sie Ihrem Publikum, welches Ziel Sie mit der Präsenta-tion verfolgen.
  •   Geben Sie Definitionen. Nennen Sie Zahlen, Daten und Fak-ten.
  •   Zeigen und erklären Sie Statistiken und wählen Sie passende Grafiken und Schaubilder.
  •   Zitieren Sie Experten und erwähnen Sie Literaturhinweise.
Wie?
  • Geben Sie Beispiele.
  • Illustrieren Sie das Thema durch eine Geschichte.
  • Fordern Sie zum Handeln auf und erklären Sie „Wie genau soll gehandelt werden“, „Wie gehe ich vor“.
  • Erstellen Sie bei einer Moderation gemeinsam mit den Teil-nehmern eine Aktivitäten-Checkliste oder eine To-do-Liste.
Wozu?
  • Zeigen Sie den Sinn des Themas auf und welchen persönlichen Nutzen die Teilnehmer haben. Arbeiten Sie Werte heraus, das, was für Ihre Zielgruppe wünschens- und erstrebenswert ist.
  • Zeigen Sie, was sich für die Zuhörenden ändern wird, wenn das Thema bearbeitet ist.
  • Fordern Sie die Teilnehmer auf, Anwendungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Am einfachsten gelingt die Strukturierung mit einem Mind Map. Sie schreiben in die Mitte das Thema und zeichnen von der Mitte aus für jedes Wort einen Ast.
Nehmen Sie nun den Papierstapel an Informationen und ordnen Sie die Inhalte in Stichworten dem jeweiligen Ast zu. Sie sehen sehr schnell, ob ein Ast zu wenig „abbekommen“ hat. Ein sicheres Zeichen für eine langweilige Präsentation ist es, wenn der „Was“-Ast übervoll ist.

4. Roter Faden und Überblick
Es gibt viele Möglichkeiten, ein Publikum zu frustrieren. Es gibt aber ebenso viele Möglichkeiten, eine Präsentation - mit denselben Inhalten - zu einem spannenden Erlebnis zu machen. Was erwartet der Zuschauer von einer Präsentation? Er möchte in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Neues erfahren, und zwar so, dass er sich dabei nicht langweilt. Im Normalfall können Sie davon ausgehen, dass Ihr Publikum guten Willens ist. Sie dürfen aber nicht erwarten, dass es Ihnen zuliebe über sich selbst hin-aus wächst. Es ist zutiefst menschlich, Assoziationen und Gedankenbrücken zu bilden und eben nicht konzentriert jedem Satz Ihrer Präsentation zu folgen. Wenn jemand geistig abdriftet, bedeutet das nicht unbedingt Desinteresse. Während Sie die Umsatzzahlen erläutern, geht einem der Kollegen vielleicht die letzte Mathenote des Sohnes durch den Kopf. Während Sie das Foto des neuen Personalleiters einblenden, denkt eine andere Zuhörerin an das Gespräch mit der letzten Personalleiterin zurück. Ihre Aufgabe ist es, Ihr Publikum gedanklich immer wieder zum Thema zurückzuführen. Das geht umso leichter, je sorgfältiger Sie die Präsentation vorbereitet haben.

Es gibt eine einfache, wirkungsvolle Methode, den roten Faden sichtbar zu machen: Visualisieren Sie, mit Farben, Symbolen und grafischen Hilfsmitteln. Oder mit einer Kombination aus alledem - aber unbedingt in Maßen. Wenn vor lauter Farben und Symbolen keiner mehr weiß, worauf Sie hinaus wollen, dann verschwindet alles in den visualisierten Details. Für den roten Faden ist auch wichtig: Verwenden Sie im Vortrag genau die Formulie-rungen, die auch auf den Flipcharts oder an der Pinnwand stehen, jede Abweichung irritiert.

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