Interkulturelles Verhandlungsgeschick, Umgang mit fremden Kulturen und
der Einsatz von Personal weltweit ist heute Gang und Gebe. Neben dem
persönlichen Einsatz in einer fremden Kultur und der
Geschäftsreise zu potentiellen Kunden und Partnern gibt es auch
internationale virtuelle Teams sowie interkulturelle Unterschiede
innerhalb deutscher Teams. Man denke da nur an die unterschiedlichen
Altersgruppen, die auf verschiedene Art und Weise kommunizieren,
agieren und verhandeln.
Um Ihnen ein paar Informationen an die Hand zu geben, haben Quittschau
& Christina Tabernig vom korrekt!-Team mit einer Expertin
gesprochen. Carolin Schäfer hat selbst jahrelange Erfahrung im
Umgang mit internationalen Geschäftspartnern, arbeitete in
internationalen Teams und ist heute Trainerin und Expertin auf dem
Gebiet der internationalen Kompetenzentwicklung.
Frau Schäfer, welche Faktoren machen die interkulturellen Unterschiede aus?Jeder Mensch besitzt seine eigene, multikulturelle Identität, die
sich in seinen Wertvorstellungen, Verhaltensweisen, Erwartungen und
Einstellungen widerspiegelt. Unsere Identität wird von weit mehr
als nur unserer Nationalität geprägt. Kulturelle Elemente wie
unsere ethnische Abstammung, geographische Herkunft, das Geschlecht,
unser Alter, die Religion an die wir glauben, unser wirtschaftlicher
Status oder unser Beruf haben Einfluss auf unsere Art zu sein, zu
handeln und zu kommunizieren. Denken Sie nur wie leicht Ingenieure und
Vertriebler aneinander vorbei reden können.
Was sollte man beherzigen, wenn man international agiert?Wichtig ist zunächst von Stereotypen Abstand zu nehmen. Die Denke
"kenn' ich einen, kenn' ich alle" ist absolut fehl am Platz. Bewusst
offen sein für Unbekanntes und viele Fragen stellen hilft genauso,
wie die Suche nach mehreren Interpretationen und das Vermeiden von
vorschnellen Urteilen. Letzteres ist, unter dem Erfolgs- und Zeitdruck
im internationalen Geschäft, wohl die größte
Herausforderung.
Wie kann man sich für einen internationalen Einsatz am besten vorbereiten?Ein absolutes Muss ist mit Sicherheit das Erlernen des Protokolls des
jeweiligen Landes. Die Etiquette bzgl. Dress-code, Smalltalk-Themen,
Formalitäten, Begrüßung und Gastgeschenke
ermöglicht den sicheren, ersten Kontakt. Um im Fortgang der
Geschäftsbeziehung Missverständnisse und Frustrationen zu
vermeiden, und um effektiv sein Ziel zu erreichen, sollte man sich in
jedem Fall über das Kommunikationsverhalten und die
Wertvorstellungen der fremden Kultur informieren. Das Bewusstmachen der
Unterschiede ist der erste Schritt, die interkulturelle Kompetenz
entwickelt sich über die Zeit.
Gibt es Dinge, die ich bei internationalen Verhandlungen generell wissen sollte?Ja! So verschieden Kulturen sind, so unterschiedlich sind auch ihre
Ansichten und Erwartungen in Verhandlungen. Wichtig ist das
Kommunikationsverhalten, das indirekt oder direkt sein kann. Beim
direkten Austausch von Informationen gilt die Devise "Ich meine das,
was ich sage." Hingegen sind bei der indirekte Art Aussagen oft
impliziert: "Ich meine das, was Du in der Lage bist zu verstehen."
Zwischen den Zeilen lesen ist in Verhandlungen mit
Geschäftspartner aus Lateinamerika, Asien, Süd- und Osteuropa
sowie dem Nahen und Mittleren Osten der Erfolgsfaktor Nummer eins.
Hinzu kommt das nonverbale Verhalten, die Körpersprache,
Blickkontakt, Gesten, Mimik, Artikulierung und Betonung, was ebenfalls
ein wichtiger Punkt in Verhandlungen darstellt. Die Beziehung zu Zeit
kann zusätzlich zu Missverständnissen führen. Ist Zeit
Geld oder ist Zeit etwas mit dem man weise umgeht? Das hat Auswirkung
auf Pünktlichkeit und Agenda. Abschließend kann es hilfreich
sein herauszufinden, wer in den Verhandlungen die
Entscheidungsautorität besitzt. Was in Deutschland auf
Abteilungsleiter Ebene möglich ist, ist in China dem
Hierarchiehöchsten vorbehalten.
Wo liegen die größten Knackpunkte, wenn es darum geht ein internationales virtuelles Team aufzubauen?Um globale virtuelle Teams zur Höchstleistung zu führen,
müssen zunächst die offensichtlichen Hindernisse
überwunden werden. Dazu gehören die verschiedenen Zeitzonen,
unzuverlässige Telekommunikationssysteme, unterschiedliche
Software Versionen, fehlende oder inkomplette Peripherie, Fremdsprachen
oder unterschiedliche Technologiestandards. Der größere
Knackpunkt liegt jedoch in der Tatsache, dass
wir dazu tendieren Gewohnheiten aus einem bekannten Umfeld (z.B.
face-to-face Teamarbeit) auf ein anderes, neues Umfeld (virtuelle
Teamarbeit) zu übertragen. Teammitgliedern von virtuellen Teams
sind sich häufig nicht bewusst, dass interkulturelle Unterschiede
bestehen. Es bedarf der Bewusstseinsschaffung und des
Verständnisses für einander und einem Teamleiter, der in der
Lage ist, Vertrauen im Team zu schaffen, um eine effektive
Zusammenarbeit trotz Distanz zu gewährleisten.
Welche Kultur empfanden Sie persönlich als fremd und schwer umgänglich und warum?Nicht wirklich als fremd aber als schwer umgänglich würde ich
den Umgang mit Franzosen beschreiben. Aufgrund der geographischen
Nähe zu Deutschland erwartet man keine großen Unterschiede,
die aber doch gravierend vorhanden sind. Tendenziell kommunizieren
Franzosen eher indirekt, sie sind sehr hierarchisch, legen großen
Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen und haben ein anderes
Verständnis von Zeit. Obwohl ich in Frankreich gelebt habe und der
französischen Sprache mächtig bin, hatte ich hier viel
Lehrgeld zu bezahlen.
Erst kürzlich hatte die Wirtschaftswoche einen Beitrag zu
interkulturellen Umgangsformen als Titelthema. Machen sich andere
Länder auch so viele Gedanken, wenn sie nach Deutschland kommen,
wie man sich hier verhalten sollte?In Ihrer Frage schwingt der Gedanke mit "warum soll immer nur ich mich
anpassen" - dass ist verständlich. Interkulturelle Kompetenz zielt
nicht darauf ab, sich bis zur Selbstaufgabe anzupassen oder gar seine
eigene Identität aufzugeben. Im Gegenteil, wer interkulturelle
Kompetenz besitzt ist sich seiner eigenen kulturellen Elemente bewusst
und ist daher in der Lage die Unterschiede zu fremden Kulturen zu
identifizieren und zu schätzen. Anpassung unserer Verhaltensweisen
zeugt von Respekt und Wertschätzung. Die, denke ich, sollte jeder
jedem entgegen bringen.
Denken Sie, dass das Klischee des akkuraten Deutschen immer noch im
Ausland vorherrscht? Oder werden wir inzwischen anders wahrgenommen?Ja, das konnte ich erst bei meinem letzten mehrmonatigen
Auslandsaufenthalt in USA wieder spüren. Als Deutscher gilt man
als strukturiert, organisiert, ehrgeizig und leistungsstark. Wir gelten
als reserviert und zurückhaltend und als Personen, die ihr
Privatleben nicht gerne mit dem geschäftlichen verbinden. Der
Aufbau einer Freundschaft mit uns braucht Zeit, ist aber dann auf
Dauer. Gerade wenn man dem Stereotyp nicht entspricht, sind die
Reaktionen immer interessant zu erleben. Kennt man einen - kennt man
eben nicht alle!
Sollen wir uns auf unsere internationalen Gäste einstellen und
sie eventuell mit deren Sitten überraschen, damit sie sich daheim
fühlen in Deutschland?Ich denke hier kommt es darauf an, wer in der Verkäufer-Rolle
steckt. Wenn ich als Verkäufer etwas erreichen will, werde ich
alles tun um es meinem Gast so angenehm wie möglich zu machen.
Wenn eine Adaption an unsere Sitten dem Gast eher schwer fällt,
spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, sich ihm auch auf deutschem
Boden anzupassen. So haben wir beispielsweise unseren muslimischen
Gästen aus dem Iran ein Büro als Gebetsraum zur
Verfügung gestellt.
Wie schwer ist es als Businessfrau international zu bestehen? Gibt es Kulturen, in denen es Frauen besonders schwer haben?Das kommt mit Sicherheit auf die Märkte an, in denen
Geschäfte getätigt werden. In Ländern in denen die
Wahrnehmung der Frau und das Rollenverhalten Mann zu Frau unserem
gleich oder ähnlich ist, bestehen für Businessfrau und -mann
gleiche Voraussetzungen. Im internationalen Geschäft mit Kulturen,
die eine unterschiedliche Wahrnehmung der Frau haben, zeugt es von
interkultureller Kompetenz, wenn man sich hier anpasst. Beispielsweise
habe ich mich während eines Iran Besuchs verschleiert und
akzeptiert, dass mein Chef als Hauptansprechpartner gilt. Das mir
besonders gläubige, männliche Perser nicht die Hand
geschüttelt haben, war für mich kein Problem, da ich wusste
worin ein solch unterschiedliches Verhalten begründet ist.
Autorinnen
Anke Quittschau & Christina Tabernig
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