Sonnenlicht in Strom umzuwandeln liegt im Trend, denn
Solarenergiegewinnung schont die Umwelt und spart Geld. Aber jetzt wird
sie auch noch architektonisch wertvoll: Ein deutsches
Forschungsinstitut hat ein Farbstoff-Solarmodul entwickelt, das durch
den Einsatz von Nanopartikteln semitransparent ist und sich optisch
schön in eine Gebäudefassade integrieren lässt....
Die neuen Module, die das Fraunhofer-Institut für Solare
Energiesysteme ISE kürzlich vorgestellt hat, bestehen aus einer
hauchdünnen stromerzeugenden Schicht zwischen zwei Glasscheiben,
die aus Nanopartikeln im Siebdruck aufgetragen wird. Die Nanopartikel
sind so winzig, dass die Solarmodule semitransparent erscheinen.
Der Modul-Prototyp vom Fraunhofer ISE, der in Zusammenarbeit mit
namhaften Industriepartnern im Color-Sol-Forschungsprojekt des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt
wurde, hat einen bernsteinfarbenen Schimmer. Es lassen sich aber
problemlos auch andere Farben herstellen und sogar individuelle Motive
einarbeiten. Das Ergebnis sind Solarmodule, die so ästhetisch
sind, dass es zu schade wäre, sie wie sonst üblich auf dem
Dach zu montieren. Vielmehr werden Architekten die Möglichkeit
nutzen, die halbdurchsichtigen Solarzellen direkt in die Glasfassade
eines Hauses zu integrieren. Hier erfüllt die neue Technologie
sogar eine Doppelfunktion: Sie schützt vor störender direkter
Sonneneinstrahlung und produziert zugleich Strom.
Die besondere Herausforderung der neuen Technologie war die
Präzision: Der feine Spalt zwischen den beiden Glasscheiben muss
hermetisch verschlossen werden, damit keine Luft die reaktiven
Substanzen zerstört. Aus diesem Grund verwendeten die
Fraunhofer-Experten statt einen polymerem Kleber Glaslot: Dazu wird
Glaspulver im Siebdruck aufgetragen und verschmilzt bei Temperaturen
von rund 600 Grad mit den Scheiben. Dauertests bei unterschiedlichen
Witterungsverhältnissen haben gezeigt, dass die Solarzellen auch
nach mehreren tausend Stunden noch voll funktionsfähig sein
können.
Zum heutigen Stand der Dinge ist das Farbstoffmodul jedoch nur ein
Prototyp. Eine Zertifizierung der Langzeitstabilität der
Farbstoff-Solarmodule steht noch aus. Und auch der Wirkungsgrad von
vier Prozent ist im Vergleich zu den herkömmlichen kristallinen
Siliziumsolarzellen zu gering.