Wenn Männer heute losziehen, um einen neuen Anzug zu kaufen, stehen sie oft vor einer schwierigen Wahl. Welche Farbe, welcher Schnitt, mit Nadelstreifen oder ohne, zwei Köpfe oder lieber drei Knöpfe? Vieles ist einfach Geschmackssache oder eine Frage des Anzugzwecks. Lesen Sie, wie Sie den besten Business-Anzug finden.
Geht man nun durch die Herrenabteilungen der Bekleidungshäuser, entdeckt man Schilder auf denen bizarre Dinge wie "Super 100" stehen. Klingt nach Oktanzahl für Benzin, ist aber ein Hinweis auf die Feinheit des Garns.
Um Ihnen ein wenig Hintergrundwissen für den nächsten Anzugkauf zu geben, hat Christina Tabernig von www.korrekt.de einen Experten dazu befragt. Kaum einer kennt sich besser aus mit Stoffen und Schnitten für Herren, als Dirk Pfister. Sein Unternehmen "Treffsicher kleiden" berät Männer mit hoher Professionalität, die häufig repräsentieren und gerne gut aussehen.
Herr Pfister, was bedeutet denn nun Super 100, 150, 200? Und welchen Stoff setzt man wann ein?
Die Zahl gibt an, dass ein Gramm dieser Wollqualität auf jeweils 100 m, 150 m bzw. 200 m Länge ausgesponnen wurde.
Je höher der Zahlenwert ist, desto feiner erscheint der Stoff. Dünne Stoff mit der Bezeichnung S 180 kühlen im Sommer wesentlich besser als ein S 100, ein Nachteil ist jedoch deren erhöhte Knitterempfindlichkeit, welche durch den geringeren Querschnitt des Garns zustande kommt.
Woran erkennt man einen guten Stoff?
Gut für was? Soll er wärmen, kühlen, edel oder schlicht aussehen, nicht knittern oder erst recht knittern?
Guten Stoff merkt man einem Anzug an, wenn man ihn getragen hat und er sich danach schnell wieder erholt und sich die Knitterfalten wieder aushängen. Ausnahmen sind Leinen und Baumwollstoffe.
Wo kommen die besten Stoffe her?
Das ist eine Frage des Verwendungszwecks. Soll ein Stoff z. B. gut wärmen, kann die Antwort Schottland heißen, da von dort Harris Tweed kommt.
Sucht man fein gewebte Stoffe, ist man schnell in der Region um das italienische Städtchen Biella. Gute Webereien für Businessqualitäten finden sich ebenfalls in England.
Woran lässt sich gute Verarbeitung bei einem Anzug erkennen?
Die Nähte sind einwandfrei gearbeitet auch an üblicherweise unsichtbaren Stellen, die Knöpfe und Knopflöcher sind exakt gesetzt und sauber ausgeputzt. Das Innenleben des Sakkos lässt sich durch sachkundiges Tasten erfühlen und ist etwas für Fortgeschrittene und Profis. Schauen Sie sich jeden Teil des Anzugs genau an, bevor Sie ihn kaufen, es lohnt sich.
Worin liegen die Unterschiede beim Tragen?
Vorrangig sind es die Klimaeigenschaften, das Gewicht und das Fließen des Stoffes. In einem dicken Wollstoff kommt man beim Tragen schneller ins Schwitzen als mit einem dünnen, das ist logisch und gewünscht. Ein leichter Sommerstoff fließt natürlich mehr als ein Herbst- oder Winterstoff. Darüber hinaus kann man jedoch, macht man den Vergleich innerhalb eines Segmentes, feststellen, dass zwei gleich schwere Stoffe unterschiedlich schön fallen am Körper. Dies liegt an der Güte der Rohware und deren weiterer Verarbeitung in der Weberei.
6 Tipps zum Anzugkauf
1. Verlassen Sie sich auf keinen Hersteller, sondern begutachten Sie jedes Detail eines Anzugs, egal ob innen oder außen.
- Fragen Sie ebenso detailliert nach Produktionsstätte, Verarbeitung und Pflege. Antworten wie "produziert in Deutschland", "natürlich mit Rosshaareinlage" oder "Pflege nicht notwendig", sollte Sie hellhörig bis stutzig machen, denn hier spricht kein Kenner.
- Nennen Sie dem Verkäufer den genauen Einsatz- bzw. Verwendungszweck Ihres gewünschten Anzugs und vergessen Sie keinesfalls, sich von der Rückseite zu betrachten, falls Sie keinen fachkundigen Begleiter haben.
- Lassen Sie sich den Namen des Verkäufers geben, der Sie bedient, am besten auf einer Visitenkarte des Geschäftes. Dies ist für spätere Reklamationen und freundliche Weiterempfehlungen von großem Nutzen.
- Anziehen, fühlen und schauen. Ein Geschäftsanzug ist nun mal kein Jogginganzug, um gut im Anzug auszusehen, muss er einfach enger sein. Vielen Männern erscheint der Anzug im ersten Moment zu eng. Deshalb sollte man ihn im Geschäft einige Minuten tragen, er passt sich dann an wie eine zweite Haut. Denken Sie daran: Ihre Wahl ist Ihre visuelle Aussage über sich in Form von Kleidung, ganz egal ob Sie das so wollen. Wählen Sie daher bewusst den gut sitzenden Business-Anzug, statt den Business-Sack.
- Und: Ein Anzug von der Stange sollte in 90% aller Fälle noch von einem Änderungsschneider angepasst werden, da er sonst nur mäßig passend wirkt.
Autor
Dirk Pfister
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