Ein zentrales Ergebnis der diesjährigen Studie zum KfW-Mittelstandspanel lautet, der konjunkturelle Aufschwung des Jahres 2006 hat den Mittelstand in seiner gesamten Breite, also auch die eher binnenmarktorientierten kleinen und in traditionellen Bereichen tätigen KMU, erfasst. Folglich ist der Anteil der investierenden Unternehmen zwischen 2005 und 2006 von 40 auf 52 % gestiegen und das Investitionsvolumen von 182 auf 193 Mrd. EUR. Darüber hinaus haben gerade kleine Unternehmen mit weniger als fünf FTE-Beschäftigten zwischen 2005 und 2006 ihre Investorenquote von 34 % auf 47 % und ihr Investitionsvolumen von 45 auf 63 Mrd. EUR gesteigert.
Zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Mittelstands ist neben den Investitionsanstrengungen insbesondere die Innovationskraft der KMU ein wichtiger Indikator. Die Auswertungen zeigen, dass sich die mittelständischen Unternehmen prinzipiell auf dem richtigen Weg befinden. Der Anteil innovierender Unternehmen im Mittelstand hat zwischen 2002 und 2006 von 38 auf 43 % zugenommen. Insbesondere die technologieorientierten Branchen, aber auch die kleinen KMU mit weniger als fünf FTE-Beschäftigten haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Allerdings ist die Erhöhung des Anteils innovativer KMU in erster Linie auf vermehrte Produktimitation zurückzuführen. Weder die FuE-Beteiligung noch die FuE-Intensität der mittelständischen Unternehmen haben sich zwischen 2002 und 2006 wesentlich verändert. Gerade kontinuierliche FuE-Aktivitäten sind aber die Voraussetzung für die Hervorbringung von originären Innovationen (Marktneuheiten).
Die nachhaltige Wirkung von Innovations- und FuE-Aktivitäten auf die technologische Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, zeigt sich maßgeblich in der Entwicklung der Innovations- und FuE-Indikatoren bei Gründungen und jungen Unternehmen. Denn Innovations- und FuE-Entscheidungen sind i. d. R. strategische Entscheidungen von hoher Persistenz, die bereits bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit getroffen werden. Die Auswertungen machen deutlich, dass die hohe FuE-Intensität, der zur Zeit des Hightech-Gründerbooms gegründeten KMU (1997 bis 2001) auch bis zu 10 Jahre nach Markteintritt noch vorhanden ist.
Betrachtet man die aktuelle Entwicklung der FuE-Indikatoren für Gründungen und junge Unternehmen ergibt sich ein eher betrübliches Bild. Unter den jungen KMU ist der Anteil der Unternehmen mit hoher FuE-Intensität mit 12 % zwar überdurchschnittlich hoch, aber trotzdem seit 2002 rückläufig. Eine mögliche Erklärung, für den Rückzug junger Unternehmen aus FuE-intensiven Aktivitäten, könnten die nach wie vor hohen Finanzierungshemmnisse bei der Implementierung und Umsetzung von risikoreichen Forschungsvorhaben sein. Entsprechend weisen sowohl kleine innovative Unternehmen mit weniger als 10 FTE-Beschäftigten als auch kontinuierlich forschende KMU mit einem Anteil von 44 bzw. 50 % (statt durchschnittlich 37 %) eine hohe Kreditablehnungsquote durch die Bank auf. Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass gerade kleine Unternehmen ihr Innovationspotenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft haben.
Die Auswertungen können die hohe Bedeutung von Innovations- und FuE-Aktivitäten für die Erneuerung der Wirtschaft und damit vor allem der Stärkung der langfristigen Wachstumspotenziale eindrucksvoll belegen. Die Beschäftigung in innovativen Unternehmen ist im Jahr 2006 mit durchschnittlich 5,1 % um etwa 1,5 Prozentpunkte stärker gewachsen als in nicht innovativen Unternehmen. Dabei findet sich die höchste Beschäftigungswachstumsrate mit 10,3 % bei den Spitzentechnologieunternehmen der Gründerkohorte 97/01. Somit ist es den KMU dieser Gründerkohorte nicht nur gelungen ihre hohe FuE-Intensität über die Jahre beizubehalten, sondern sie weisen auch bis zu 10 Jahre nach Markteintritt eine überdurchschnittlich hohe Beschäftigungswachstumsrate auf. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass eine hohe Gründungsdynamik im Bereich der Spitzentechnologie nicht nur von großer Bedeutung für die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist, sondern auch eine zentrale Triebfeder für die Schaffung neuer zukunftssicherer Arbeitsplätze.
Um einer drohenden Abwärtsspirale bei der technologischen Leistungsfähigkeit und einem langfristigen Verlust von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken, gilt es bestehende Finanzierungsrestriktionen für innovative und forschende Unternehmen soweit wie möglich abzubauen. Aufgrund der prozessimmanenten Unsicherheiten bei der technologieorientierten Frühphasenfinanzierung bestehen hohe Ausfallrisiken. Deshalb ist eine Förderpolitik des „langen Atems“ notwendig. Denn nur mit einer auf Dauer angelegten Förderung von technologieorientierten Gründungen ist es möglich eine genügend große Zahl an forschungsintensiven Unternehmen zu erhalten.
KfW-Mittelstandspanel 2007 Langfassung Deutsch (PDF 520 KByte) KfW-Mittelstandspanel 2007 Kurzfassung Deutsch ( PDF 248 KByte)