Die neue Welt der Elektronik im Miniaturformat wird in Europa bald einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. Die Kommission hat heute einen Vorschlag verabschiedet, mit dem sie eine europaweite öffentlich-private Partnerschaft auf dem Gebiet der Nanoelektronik, genannt ENIAC, in die Wege leitet. Ausgestattet mit einem Budget von voraussichtlich 3 Mrd. Euro, welches die Industrie, Mitgliedstaaten und die Kommission bereitstellen, wird aus dieser Partnerschaft in Europa ein starker Forschungs- und Produktionssektor auf dem Gebiet der Nanoelektronik entstehen. Dieser wird innovative Produkte mit eingebauter Intelligenz für unzählige Anwendungen hervorbringen, etwa für die Unterhaltungselektronik, die Automobilindustrie, den Gesundheitssektor und die Umwelttechnik.
„Halbleiterchips sind der Motor der Informatik-Revolution. Sie werden zwar immer kleiner, zugleich aber immer leistungsfähiger. Dies ist ein Wettlauf, bei dem Europa darauf achten muss, dass es bei den neuen Nanotechnologien Schritt hält“, so Viviane Reding, in der Kommission für die Informationsgesellschaft und die Medien zuständig. „Gemeinsam mit der Industrie und den Mitgliedstaaten wird die von der Kommmission heute gegründete neue gemeinsame Technologieinitiative sicherstellen, dass Europa seine Führungsrolle auf diesem Gebiet verteidigt und Wachstum und Beschäftigung für künftige Generationen gewährleistet sind.“
ENIAC zielt auf die nächst kleinere Generation von Technologien im Miniaturformat. Sie wird benötigt, um die Schwelle von der Mikro- zur Nanotechnologie zu überschreiten, während mehr und mehr Funktionen in einfache Produkte integriert werden. Mit dieser Technologie lassen sich neue Durchbrüche in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen erzielen, etwa in der Kommunikation und Informatik (Intelligenz in jedem Gerät), im Verkehr (Elektronik für Fahrerassistenz-Systeme, autonomere Fahrzeuge, sicherere Verkehrsbeeinflussung), im Gesundheitswesen (neue Formen der medizinischen Betreuung im Sinne einer komfortablen Behandlung zu Hause und einer Früherkennung von Krankheiten dank intelligenter mobiler medizinischer Ausrüstung oder eingebauter Intelligenz in Produkten des täglichen Bedarfs), im Energie- und Umweltmanagement (intelligente Überwachung von Gebäuden und Reduzierung des Energieverbrauchs, Vernetzung kleiner, intelligenter und kostengünstiger Geräte zur Überwachung und Steuerung der Verschmutzung und der Umweltrisiken) sowie im Sicherheits- und Unterhaltungsbereich.
ENIAC ist eine gemeinsame Technologieinitiative, eine neue Art europaweiter öffentlich-privater Partnerschaften, die sich auf die kritischen Industriezweige konzentrieren, in denen die bestehenden Mechanismen nicht die Größenordnung und das Tempo gewährleisten können, die notwendig sind, damit Europa sich im weltweiten Wettbewerb behaupten kann. In solchen Bereichen erzielt der gebündelte Einsatz der Forschungsmittel von Mitgliedstaaten, EU und Wirtschaft einen erheblichen Mehrwert, insbesondere durch die Schaffung von Anreizen für verstärkte private Investitionen in Forschung und Entwicklung.
Die ENIAC-Initiative wird von einem gemeinsamen Unternehmen umgesetzt, das Ende des Jahres per Ratsverordnung nach dem Gemeinschaftsrecht gegründet werden wird. Das gemeinsame Unternehmen dürfte seine Arbeit Anfang 2008 aufnehmen.
Zwischen 2008 und 2013 werden 60 % der veranschlagten Mittelausstattung von 3 Mrd. Euro für die Nanoelektronik-Forschung von der Industrie bereitgestellt werden. Die restlichen Mittel kommen von der Kommission, den Mitgliedstaaten und den assoziierten Staaten, die alle Partner des gemeinsamen Unternehmens sind. Es wird damit gerechnet, dass jeder Euro aus der EU-Förderung 7 bis 8 Euro für die Forschung generiert.
Die Industriepartner werden vom AENEAS, einem Industrieverband ohne Erwerbszweck, vertreten. Die Mitgliedschaft beim AENEAS steht Großunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen, Forschungsinstituten, Hochschulen und Verbänden offen, die auf dem Gebiet der Nanoelektronik tätig sind.