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MMI/ks
Investitionen in geistiges Eigentum

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat ein umfangreiches Programm aufgelegt, um in den nächsten Jahren verstärkt Patentcluster zu erzeugen. Mit diesen massiven Investitionen in Eigenforschung können Fraunhofer-Wissenschaftler schutzfähige Ideen und Erfindungen konsequent voranbringen und durch Patentfamilien die wirtschaftliche Verwertung absichern. Die ersten beiden Projekte »Solarzellen auf Basis metallurgischen Siliziums« und »Mikrobrennstoffzellen« werden jeweils mit bis zu 10 Mio Euro gefördert.
»Wir wollen unseren Ideenpool systematisch ausbauen und aussichtsreiche Gebiete durch Patentcluster absichern«, erklärt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, die Eigenforschungsinitiative. Danach werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren über 100 Mio Euro für IP-relevante Eigenforschung zur Verfügung gestellt. »Wir investieren große Teile der MP3-Lizenzerträge in neues IP, Intellectual Property, um auch in Zukunft deutliche Erlöse aus Lizenzen erzielen zu können,« beschreibt Bullinger die Strategie. Letztlich gehe es darum, »geistiges Eigentum« für den Standort Deutschland zu sichern, damit wir an den kommenden Wachstumsmärkten erfolgreich teilhaben können.
Die Fraunhofer-Gesellschaft gehört seit vielen Jahren zu den zehn größten Patentanmeldern in Deutschland – unter den deutschen Anmeldern. Allein im vergangenen Jahr sind 574 Erfindungsmeldungen bei der Abteilung Fraunhofer-Patente und -Lizenzen eingegangen. Beim Deutschen Patent- und Markenamt meldete die Fraunhofer-Gesellschaft im Vorjahr 396 Erfindungen zum Paten an. International wurden es 473 Anmedlungen eingereicht.
Im Jahr 2006 wurden 267 neue Verwertungsverträge vereinbart. Damit wurden in den vergangenen fünf Jahren 1 145 Verwertungsverträge abgeschlossen. Die Fraunhofer-Gesellschaft erzielte im Jahr 2006 rund 92 Millionen Lizenzerträge. Zwei Drittel davon sind auf die MP3-Patente zur Audiocodierung zurückzuführen.
Mit dem neuen Programm soll das Fraunhofer-Patentportfolio gestärkt und systematisch ausgebaut werden. Es sollen gezielt solche Erfindungen generiert und patentiert werden, die große und attraktive Märkte adressieren und klare wirtschaftliche Vorteile versprechen. Es geht also um den strategischen Aufbau von patentrechtlich geschütztem IP, das Fraunhofer Alleinstellungsmerkmale auf ausgewählten Technologiefeldern verleiht und so neben dem laufenden Geschäft der Vertragsforschung das Potenzial zur nachhaltigen Erzielung von Lizenzerträgen schafft. Die dazu notwendige Eigenforschung soll längerfristig und in größerem Umfang gefördert werden, so dass es möglich wird, ganze Technologiefelder über möglichst dichte Patentcluster zu schützen.
Im Frühjahr wurden die ersten beiden Projekte bewilligt. Im Projekt »Solarzellen auf Basis metallurgischen Siliziums« geht es darum, durch die Verwendung von kostengünstigem »schmutzigem« Silizium den Engpass an hochreinem, kristallinem Silizium zu beseitigen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg hat dazu aussichtsreiche Konzepte entwickelt, die es rasch weiterzuentwickeln und zu schützen gilt.
Im Projekt »Mikrobrennstoffzellen in Multilayerkeramik für die Massenproduktion« arbeiten die Fraunhofer-Institute für Keramische Technologien und Systeme IKTS und ISE an zwei Mikrobrennstoffzellensystemen: Ein tragbares Hochtemperatur-Brennstoffzellensystem der Leistungsklasse 100 Watt, das mit einem Reformer ausgestattet ist und mit verfügbaren Treibstoffen wie Flüssiggas oder Bioethanol direkt betrieben werden kann. Und zum anderen wird ein kleines Niedrigtemperatur-Brennstoffzellensystem für Elektrogeräte entwickelt, das die Ausgangsleistung von etwa einem Watt hat.
In einem weiteren, deutlich kleineren Programm »Challenge« erhalten Fraunhofer-Institute die Möglichkeit unkonventionellen Ideen nachzugehen, die große Chancen eröffnen könnten. Ziel ist, auszuloten, ob sich diese bisher unbekannten Wege als gangbar erweisen. Dafür stellt der Vorstand über 5 Mio Euro in den kommenden drei Jahren zur Verfügung.
»Wir setzen auf das Potenzial der kreativen Köpfe, das wir zielgerichtet und systematisch erschließen wollen« betont der Fraunhofer-Präsident. »Dabei müssen wir aber darauf achten, dass das neue ‘geistige Eigentum’ geschützt und die Verwertung gesichert ist«.


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